Wie grenze ich mich von Problemen anderer ab?

Wie grenze ich mich von Problemen anderer ab?

Oft haben wir das Gefühl, dass wir verantwortlich dafür sind, die Probleme anderer zu lösen. Wollen zum Beispiel unsere Eltern sich scheiden lassen, haben wir das Gefühl, wir müssten dafür sorgen, dass es wieder bergauf geht. Hat ein Freund von uns Geldsorgen, fühlen wir uns irgendwie für ihn verantwortlich und wollen selbst seine Probleme lösen.

Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen bzw. „hineinzufühlen“, kann oft hilfreich sein. Wir sind zum Beispiel sehr wahrscheinlich ein loyaler Freund und möchten unseren Freunden und unserer Familie helfen, wo es nur geht. Ich finde daher, dass ein hohes Empathievermögen bis zu einem gewissen Punkt sehr vorteilhaft sein kann.

Problematisch wird es nur dann, wenn wir uns gar nicht mehr von den Sorgen und Problemen anderer abgrenzen können. Wir verlieren unser eigenes Leben völlig aus den Augen, wollen es allen recht machen – nur nicht uns selbst. Wir tun Dinge, die wir eigentlich nicht tun wollen, nur, um andere nicht zu enttäuschen. Es gibt Tage, da geht es uns selbst schlecht, obwohl wir eigentlich keinen persönlichen Grund dafür haben. Wir machen uns dann Sorgen aufgrund anderer Personen und ihren Problemen – und das zieht unsere eigene Stimmung herunter.

Wie kann ich also lernen, mich mehr abzugrenzen?

  1. Kontrolliere deine Gedanken mit der STOP-Methode

STOP-Methode

Lerne, deine eigenen Gedanken zu beobachten und zu kontrollieren. Wenn du merkst, dass Gedanken an Dinge aufkommen, an die du eigentlich gerade nicht denken willst, wende die STOP-Methode an.

  • Stopp. Stoppe deinen Gedankenfluss, indem du dir innerlich „Stopp“ sagst. Wenn möglich, baue dazu ein Ritual ein, zum Beispiel mit einem Fuß auf den Boden stampfen.
  • Tief durchatmen. Atme tief ein und vor allem lange wieder aus. So kannst du dich innerlich beruhigen.
  • Observe – beobachte. Beobachte, was genau in dir vorgeht und akzeptiere es. Nimm zunächst einfach hin, was gerade in dir vorgeht, ohne es zu bewerten.
  • Proceed – mach weiter. Reagiere bewusst auf deine Gedanken und entscheide mit einem kühlen Kopf, wie du nun handeln möchtest.

Die STOP-Methode ist also ein Weg, den automatischen Fluss von Reiz und Reaktion zu unterbrechen und bewusst zu reagieren (statt automatisch). Du kannst z. B. auf die Nachricht, dass dein Freund Geldsorgen hat, automatisch mit tiefer Sorge reagieren – oder du entscheidest dich bewusst dafür, wie du ihm konstruktiv helfen kannst, ohne Sorge zu empfinden. Vielleicht entscheidest du auch, dass du die Situation einfach hinnehmen musst, sie selbst in diesem Moment nicht ändern kannst und dich deswegen gedanklich davon abgrenzen solltest.

Du kannst die STOP-Methode also immer und immer wieder anwenden, wenn Gedanken aufkommen, die dich herunterziehen. Lerne, dass du bestimmte Dinge einfach akzeptieren musst und nicht ändern kannst. Gleichzeitig kannst du, wenn du etwas ändern kannst und willst, dies mit einer bewussten Entscheidung tun.

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

  1. Lerne, eine eigene Lebensvision zu entwickeln und dieser nachzugehen

Hast du eine eigene Lebensvision? Weißt du, was du alles im Leben erreicht haben willst? Und wenn ja, verfolgst du den Weg dorthin schon? Wenn nicht, wird es höchste Zeit dafür. Das soll jetzt nicht gemein klingen: Aber wenn du „kein eigenes Leben“ hast, ist es nicht verwunderlich, dass du so viel Zeit im Leben anderer und mit den Problemen anderer verbringst.

lebensvision

Ein Beispiel, wie du deine Lebensvision finden kannst, wäre zum Beispiel, eine Bucket List zu erstellen. Das ist eine Liste, auf die du alle Dinge schreibst, die du im Laufe deines Lebens erreichen möchtest. Schreib einfach alles auf, egal, ob du es zunächst für verrückt oder völlig unrealistisch hältst. Du musst auch nicht alles erreichen, was auf dieser Liste steht. Wichtig ist erstmal, dass du eine Idee davon bekommst, was du im Leben möchtest.

Hast du eine Lebensvision und damit ein Endziel, das du am Ende deines Lebens erreicht haben willst? Dann ist der nächste Schritt, dir konkrete Zwischenziele zu setzen, wie du diesem Endziel näherkommen kannst. Es ist von Vorteil, dir für verschiedene Lebensbereiche Ziele zu setzen, zum Beispiel für das private und das berufliche Leben (du kannst natürlich weitere Bereiche hinzufügen). Wichtig ist hierbei, dass es sich wirklich um deine persönlichen Lebensvorstellungen bzw. -ziele handelt und nicht um diejenigen, die andere von dir erwarten.

  • Was musst du in den nächsten fünf Jahren tun, um deinem Endziel näherzukommen?
  • Was musst du im nächsten Jahr tun, um deinem Endziel näherzukommen?
  • Was musst du in diesem Monat tun, um deinem Endziel näherzukommen?
  • Was musst du diese Woche tun, um deinem Endziel näherzukommen?
  • Und was musst du heute tun, um deinem Endziel näherzukommen?

Wenn du Ziele im Leben hast und diese fleißig verfolgst, wirst du nicht genügend Zeit haben, um dich zusätzlich noch ständig mit Problemen anderer zu beschäftigen. Das soll nicht heißen, dass du deinen Freunden oder deiner Familie nicht mehr helfen kannst oder sollst. Nur, dass dein eigenes Leben und dein Weg dein Mittelpunkt sind und, dass du lernst, dich auch auf dich zu fokussieren – und nicht nur auf das Leben und die Sorgen anderer.

Du wirst also beschäftigt sein. Und wer beschäftigt ist, wird sich ganz besonders auf seine eigenen Ziele konzentrieren, nicht (nur) auf das Leben anderer Menschen. Du kannst hierbei natürlich deinen eigenen Weg finden. Wie gesagt: Es ist nicht Sinn der Sache, andere aus deinem Leben zu streichen und sich nicht mehr um sie zu kümmern. Trotzdem kannst du so einen gesunden Mittelweg finden, um andere zwar nicht zu vergessen, dich aber trotzdem in erster Linie um dich und deinen eigenen Lebensweg zu kümmern.

  1. Lerne, ehrlich zu anderen zu sein und zu sagen, wenn es dir zu viel wird

Nein sagenLerne, „Nein“ zu sagen. Das klingt natürlich leichter gesagt als getan, aber es ist trotzdem extrem wichtig. Wenn du dich von den Problemen anderer abgrenzen möchtest, solltest du dies auch ausdrücken können.

Ehrlich zu sein und „Nein“ zu sagen ist ja nicht gemein oder böse gemeint, sondern die einzige Möglichkeit, um unser eigenes Befinden deutlich zu machen. Andere Personen einfach zu ignorieren, wenn uns ihre Probleme zu viel werden, oder ihnen immer nur unterschwellige Botschaften senden, bringt uns auf Dauer nicht weiter. Es wird wahrscheinlich eher dafür sorgen, dass die anderen Personen nicht verstehen, was dein Problem ist oder sie sogar sauer sind, weil du sie für sie aus unerklärlichem Grund nicht mehr beachtest.

Daher ist es für eine gesunde Beziehung zu deinen Mitmenschen und auch zu dir selbst notwendig, ehrlich zu sein. Erkläre ihnen behutsam, warum du dich überfordert mit ihren Sorgen und Problemen fühlst. Vielleicht haben sie vorher nie bemerkt, dass dir ihre Probleme zu nahe treten. Wenn du ihnen als Person wichtig bist, werden sie Verständnis dafür haben, dass du dich auch mal abgrenzen und für dich selbst da sein musst, anstatt immer nur für sie.

Zusammenfassung

Empathievermögen ist eine wertvolle Eigenschaft, die uns dabei hilft, uns in andere Personen „hineinzufühlen“ zu können. Manchmal führt diese Eigenschaft jedoch leider dazu, dass wir das Gefühl haben, wir wären für die Probleme anderer verantwortlich – und daher schaffen wir es nicht mehr, uns von ihren Sorgen und Problemen abzugrenzen.

In diesem Blogbeitrag hast du daher drei Möglichkeiten gelernt, wie du dich mehr abgrenzen kannst:

  1. Kontrolliere deine Gedanken mit der STOP-Methode
  2. Lerne, eine eigene Lebensvision zu entwickeln und dieser nachzugehen
  3. Lerne, ehrlich zu anderen zu sein und zu sagen, wenn es dir zu viel wird

Sarah

Ich bin Sarah und Psychologin (B. Sc.); zudem beginne ich in wenigen Wochen mein Masterstudium in Positiver Psychologie. Auf meinem Blog gebe ich Dir Denkanstöße dafür, wie Du Deine Ängste überwinden, mehr entspannen und Dich persönlich weiterentwickeln kannst.

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