Leben im Jetzt

Leben im Jetzt

Die meisten Menschen lassen ihr Leben regelrecht an sich vorbeiziehen. Sie befinden sich mit ihren Gedanken in ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft – nur nicht im Jetzt. Wenn sie auf der Arbeit sind, sind sie gedanklich schon im Wochenende. Und wenn dann das Wochenende da ist, können sie es häufig nicht genießen. Sie sind mit den Gedanken an Dinge beschäftigt, die in der vergangenen Woche passiert sind – oder ihre Gedanken sind schon auf das gerichtet, was in der kommenden Woche auf sie zukommen wird.

Gedanken

Ängste und Stress aufgrund fehlender Gegenwärtigkeit

Ich finde es also nicht verwunderlich, dass so viele Menschen extreme Ängste empfinden und einem dauerhaft hohen Stresslevel ausgesetzt sind. Wenn sie die Dinge nie einfach genießen können, sondern ständig mit Dingen beschäftigt sind, die sie jetzt sowieso nicht beeinflussen können, können sie doch nur frustriert sein.

Ohne Frage ist es wichtig, aus seinen vergangenen Fehlern zu lernen. Aber ist es wirklich notwendig, sich Selbstvorwürfe zu machen für das, was längst vergangen ist? Wenn du nicht konstruktiv mit deinen Fehlern umgehst, was bringt dir das Selbstvorwürfe machen?

Genauso ist es ohne Frage wichtig, bestimmte Dinge zu planen und sich Ziele zu setzen für die Zukunft. Aber wenn du stattdessen nur darüber nachgrübelst, was alles Schlimmes in der Zukunft passieren könnte, ziehst du keinerlei Nutzen daraus. Was bringt es dir, deine Gedanken mit der Zukunft zu vergeuden, die du sowieso immer nur direkt im dann kommenden Jetzt beeinflussen kannst?

„Verstehe tief in dir drin, dass der gegenwärtige Moment alles ist, was du je haben wirst. Mache das Jetzt zum primären Ziel deines Lebens.“ (Eckhart Tolle)

Meiner Meinung nach ist die Fähigkeit, im Jetzt zu leben, der wohl wichtigste Grundstein, um seine Ängste und sein Stressempfinden in den Griff zu bekommen. Genauso wichtig ist das Leben im Jetzt, um entspannen zu können. Wer mit den Gedanken immer in Vergangenheit und Zukunft abschweift, nur nicht in der Gegenwart ist, wird sehr schwer entspannen können.

Achtsamkeit

Um mehr im gegenwärtigen Moment leben zu können hilft es, die Fähigkeit der Achtsamkeit zu erlernen. Achtsamkeit ist ein über 2500 Jahre alter Teil der buddhistischen Tradition; seit den 1980er Jahren wird Achtsamkeit auch vermehrt in Therapien der klinischen Psychologie verwendet (Baer et al., 2008).

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Fähigkeit,

  1. zu beobachten,
  2. zu beschreiben,
  3. zu handeln, während man sich des gegenwärtigen Moments bewusst ist,
  4. nicht zu bewerten, was gerade ist und
  5. nicht auf das zu reagieren, was gerade ist.

Wer achtsam ist, ist fähig, sein Bewusstsein gewollt auf den gegenwärtigen Moment zu lenken, ohne ihn dabei zu bewerten.

Meditation ist beispielsweise ein Weg, um Achtsamkeit zu erreichen. Durch das Erreichen von Achtsamkeit wird es dir möglich, deine mentale Gesundheit zu verbessern, Stress zu reduzieren und somit mehr zu entspannen. Achtsamkeit hat sich außerdem bewährt, um Burn-out zu bekämpfen (siehe z. B. Krasner, Epstein, Beckman, Suchman, Chapman, Mooney, & Quill, 2009).

Eine Aufgabe, die du durchführen kannst, wenn du gerade unachtsam bist, ist folgende („3×5 Dinge“):

  • Zähle fünf Dinge auf, die du gerade siehst (Stift, Flasche,…),
  • dann fünf Dinge, die du gerade hörst (Vogelzwitschern, Autos,…) und
  • zuletzt fünf Dinge, die du gerade fühlst (wie deine Füße den Boden berühren, wie dein Atem einströmt,…).

Da dein Gehirn sich immer nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren kann, kann dir diese Aufgabe dabei helfen, dich gezielt auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren bzw. zu ihm zurückzubringen.

Achtsamkeit

Wenn du Probleme hast, im gegenwärtigen Moment zu sein, sondern immer wieder in deine Vergangenheit und deine Zukunft abschweifst, empfehle ich dir, auch das Buch „Jetzt!“ von Eckart Tolle zu lesen. Er beschreibt sehr anschaulich, wie du es anstellen kannst, mehr im Jetzt zu leben und den gegenwärtigen Moment mehr zu genießen.

Literaturangaben

Baer, R. A., Smith, G. T., Lykins, E., Button, D., Krietemeyer, J., Sauer, S., … Williams, J. M. G. (2008). Construct Validity of the Five Facet Mindfulness Questionnaire in Meditating and Nonmeditating Samples. Assessment, 15(3), 329-342. doi: 10.1177/1073191107313003

Krasner, M. S., Epstein, R. M., Beckman, H., Suchman, A. L., Chapman, B., Mooney, C. J., & Quill, T. E. (2009). Association of an Educational Program in Mindful Communication With Burnout, Empathy, and Attitudes Among Primary Care Physicians. Journal of the American Medical Association, 302(12), 1284-1293. doi: 10.1001/jama.2009.1384.

Sarah

Ich bin Sarah, 22 Jahre alt und stecke mitten im Psychologie-Studium. Auf meinem Blog zeige ich dir, wie du Ängste und Stress in den Griff bekommst, mehr entspannst und dich persönlich weiterentwickelst.

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