Wie Deine Angst Dich lähmt

Wie Deine Angst Dich lähmt

Irgendwie habe ich meine Angst früher nie hinterfragt. Sie war ein täglicher Begleiter, der ständig da war und von dem ich dachte, dass er nie verschwinden wird. Mal war die Angst mehr da, mal weniger. Wenn es gerade nichts gab, wovor ich Angst haben konnte, hat mein Kopf sich Szenarien aus der Zukunft gesucht, vor denen ich vermutlich Angst haben werde.

Hast du mal darüber nachgedacht, wie deine Ängste dich bewusst oder unbewusst einschränken? Vielleicht spürst du deine Angst in bestimmten Situationen stark, zum Beispiel, wenn ein wichtiges Referat ansteht. Vielleicht ist deine Angst aber auch manchmal unterschwellig da, zum Beispiel, wenn du dich bestimmte Dinge nicht traust, weil du Angst vor möglichen Konsequenzen hast.

Vielleicht traust du dich nicht, dir große Ziele zu setzen, weil du Angst vor dem Scheitern hast. Oder du traust dich nicht, mit deinem Partner Schluss zu machen, weil du Angst vor dem Alleinsein hast. Oder du traust dich nicht, dich mit neuen Leuten zu treffen, aus Angst, dass diese negativ von dir denken könnten. Ich glaube, dass Angst und die damit verbundenen negativen Gedanken unser größtes Problem im Leben sind.

Jemand hat mal zu mir gesagt, dass er die Angst vor dem Scheitern braucht, um sich zu motivieren. Dass er den Gedanken „Was wäre, wenn es nicht klappt?“ als Motivation sieht, um erfolgreich zu werden. Auch von Selbstständigen habe ich gehört, dass sie die (Existenz)angst als eine Art Kick sehen, der sie motiviert, täglich Leistungen zu erbringen. Vielleicht bin ich da einfach anders, aber mich persönlich versetzt die Angst eher in einen Lähmungszustand. Klar, ein gewisser Druck und positiver Stress können uns motivieren und zu guten Leistungen verhelfen. In manchen Situationen hilft mir das auch, zum Beispiel, wenn ich eine wichtige Aufgabe fertigkriegen muss.

Aber sollten nicht eher unser Ziel und vor allem der Weg dorthin das sein, was uns motiviert? Möchtest du zum Beispiel ein erfolgreicher Musiker werden, sollte es dann nicht deine Motivation sein, dein Publikum zu begeistern und dich auf der Bühne „frei“ zu fühlen (und nicht zum Beispiel: „Wenn ich das Publikum heute nicht begeistere, kriege ich keinen Plattenvertrag“)? Ich glaube, dass es eher ungesund ist, wenn die Angst vor dem Scheitern das ist, was dich in den entscheidenden Momenten motiviert.

Denke einmal darüber nach, welche stärkeren und vor allem unterschwelligen Ängste in dir schlummern. Du solltest dich nicht verurteilen, weil du diese Ängste hast – sie sind zu diesem Zeitpunkt in deinem Leben wahrscheinlich vollkommen berechtigt. Du solltest dir nur bewusst sein, welche Ängste du hast und, auf welche Weise sie dich lähmen. Denn wenn du dir dessen nicht bewusst bist, wirst du bestimmte Situationen immer wieder meiden und vielleicht bereuen, dass du bestimmte Dinge nie getan hast. Möchtest du einer dieser Menschen sein, die ständig über das Leben anderer reden und aus Neid und Missgunst beginnen, zu lästern? Wenn nicht: Bist du mit dir (und dazu gehören auch deine Ängste) im Reinen, wirst du so eine Person nicht werden.

Deine Ängste sind vollkommen in Ordnung. Du musst sie nicht bekämpfen wollen. Wichtig ist, dass du Dinge trotz Angst tust. Hast du das Ziel, eine Weltreise zu machen, aber hast Angst, dass etwas passieren könnte? Nimm diese Angst hin, aber tu es trotzdem. Möchtest du mit deinem Partner Schluss machen, aber hast Angst davor, wie du dich danach fühlen wirst? Nimm auch hier diese Angst hin – und tu es dann trotzdem. Auch, wenn dich diese Momente Überwindung kosten, wirst du nachher erleichtert und froh sein, sie getan zu haben. Halte dir dein Ziel vor Augen.

Du hast dein Leben selbst in der Hand und kannst es zu jedem Zeitpunkt in eine andere Richtung lenken. Lass die Angst nicht dein Leben bestimmen. Sie darf dich begleiten, aber sollte niemals das Steuer deiner Taten übernehmen.

Sarah

Ich bin Sarah und Psychologin (B. Sc.); zudem beginne ich in wenigen Wochen mein Masterstudium in Positiver Psychologie. Auf meinem Blog gebe ich Dir Denkanstöße dafür, wie Du Deine Ängste überwinden, mehr entspannen und Dich persönlich weiterentwickeln kannst.

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